Italien Fahne Südtirol, Dolomiten 1996

Dolomitentour 1996



Die Geschichte von den "3" letzten Musketieren


oder
die Geschichte jener 3 Radler, die den Kampf mit den 22 Pässen und 16.000 Höhenmetern aufnahmen.


Die Abfahrt erfolgt am 01.06.1996, um 00.00 Uhr. Wir fahren auf der Autobahn bis nach Spital/Drau. Von dort geht es über Lienz und Sillian bis zur österr./italienischen Grenze. Bei Tobiacco (Doblach) fahren wir bereits in die Schluchten der Berge ein. Im Mondlicht erblicken wir die "Drei Zinnen". Kurz darauf erreichen wir Cortina d´Ampezzo. Den ersten Pass "erklimmen" wir zu dritt, sitzend, auf 4 Rädern. Fredl verschläft fast die ganze Fahrt und kommt erst am Passo di Falzarego wieder zu sich. Am Pass genießen wir die erste Morgenröte und ein paar Stücke vom Mamorgugelhupf.

Passo di Pordoi nach Arabba




Weiter geht es über den Passo di Pordoi bis nach Canazei, wo wir um 05.42 Uhr ankommen.

 

 

 

 


Die Stadt ist wie ausgestorben, und so legen wir uns bis 07.00 Uhr im Auto aufs Ohr. Von unserer Wohnung mit 2 Schlafzimmern sind wir begeistert und auch die Küche ist toll. So beginnen wir sofort mit einem anständigen steirischen Speckfrühstück. Zwar noch etwas müde, aber schon ganz gierig fahren wir mit dem Rad um 11.00 Uhr los.


01.06.1996, Samstag
1. Etappe: 63,16 km und 1980 Höhenmeter

Wir starten die erste Etappe von Canazei (1465) hinauf bis zu einer Abzweigung, wo wir nach links (1802) <5,32> auf den Passo di Sella (Sella Joch) (2240) abbiegen. Es beginnt mit zwei Kehren und einer 8%-igen Steigung und geht über in einige Kehren mit Kopfsteinpflaster und 11% hinauf auf den

Sellamasiv Passo di Sella (Sella Joch), wo wir bei <11,09> ankommen.

Vom Pass gäbe es eine wunderschöne Aussicht, aber wir haben fast keine Zeit, denn es geht schon wieder bergab. An der Kreuzung bei Miramonti (1900) <16,46> folgen wir der nach rechts zum Passo di Gardena (Grödner Joch) abzweigenden Straße, die sich über mehrere Kehren mit 8% durch die grünen Almen nach oben windet. Am Passo di Gardena (2137) <22,33> beginnt eine lange Abfahrt mit einem Gefälle von bis zu 14%. Es geht über Colfosco hinunter bis nach Corvara (1568) <32,21>, weiter über einen Wiesenhang 10%-ig hinauf auf den Passo di Campolongo (1875) <38,41> und von dort wieder bergab bis nach Arabba (1602) <42,15>.

In Arabba beginnen schließlich 33 anstrengende, aber schöne Kehren mit 8%-iger Steigung auf den Passo Pordoi (2239) <51,39>. Es ist ein gerade noch schönes Martyrium. Oben angekommen genießen wir eine wunderschöne Aussicht und ein Bier, welches von Gerhard und Fredl bereits für Michael bei dessen verspäteter Ankunft am Pass bereitgehalten wird. Dann geht es wieder bergab, bis zur Abzweigung Sella/Pordoi (1802) <57,02> wo wir nach links, bis nach Canazei (1465) <63,16> fahren.


02.06.1996, Sonntag.
2. Etappe: 100,83 km und 2931 Höhenmeter

Wir starten wie immer gegen 09.00 Uhr von Canazei (1465) - fahren durch die kleinen Orte Alba - Penia, wo die Straße bereits leicht zu steigen beginnt. Teilweise fahren wir durch einen Wald und am Ende des Tales beginnen die ersten 4 Kehren mit 10 %iger Steigung, wo wir bereits die Ausläufer des MARMOLADA, den Roda di Mulon und Felswände der Punt di Cornate, erblicken. Wir fahren weiter durch zwei sog. Lawinentunnel und erfreuen uns der noch immer andauernden 10 %igen Steigung. Als wir aus dem letzten Tunnels fahren liegt der Lago di Fedaia (2097) <11,23> bereits vor uns.

Am Lago di Fedaia vorbei ging es bis zum 40 m tiefer liegenden Passo di Fedaia (2057) <14,18> und dann talwärts mit einem Gefälle von 15 % bis Malga Ciapela <20,02>, von dort durch ein schwarzen Tunnel mit unbeleuchteten Bauarbeiten, welche wir bravourös meistern, hinein in den schönen alten Ort Rocca Pietora <26,57> und weiter hinunter bis zu einer Abzweigung in Caprile <28,42>.

Dort geht es wieder einmal bergauf über Andraz <39>, wo wir rechts auf die Straße zum Passo di Falzarego abbiegen. Von dem zuvor genannten Ort Caprile beginnt die Straße unaufhörlich für 20 lange, wunderschöne km und mittels Randsteinen angeschriebenen 37 Kehren (eine schöner als die andere) zu steigen. Nach 48,47 km kamen wir am Passo di Falzarego (2117) an.

Von dort geht es weiter auf den Passo di Volparola (2192) <50,31>. Auf der 14 km langen Abfahrt über San Castiono (1537) <60,12> bis nach La Villa (1387) <64,5> konnten sich wieder alle erholen.

Räder wachsen am Baum







Auch wenn die Fahrräder manchmal hoch hingen, kamen immer wieder alle gesund nach Hause.




hier: Fredl nach der Abfahrt vom Valparola.

 


Im Ort nahmen wir eine kurze Stärkung in Form eines Biers zu uns und begannen gleich darauf mit einer neuerlichen Steigung bis nach Corvara (1558) <68> und weiteren 10 km mit 13 %iger Steigung auf den Passo di Gardena (Grödner Joch) (2137) <78,51>.

Wie immer haben wir auch hier keine Zeit für die Gegend, sondern fahren bergab nach Miramonti (1900) <84,5>. Gerhard fährt einsame Spitze und Fredl fährt mit dem keuchenden Michael die letzte 5 km lange Steigung auf den Passo di Sella (2240) <89,74>.

Oben ein schnell ein Foto und schon geht bei leichten Nieselregen vorsichtig bergab, wo wir schließlich bei unserem Haus in Canazei (1465) nach 100,83 km erschöpft ankommen. Wir werden bereits vom geduschten Gerhard erwartet.

Auf geht's zur deftigen Speck- und Bierjause. Jetzt sind wir wieder in Top - Form. Ein Spaziergang durch den Ort mit einem abschließenden Gläschen Wein schließt den Tag.


03.06.1996, Montag.
3. Etappe: 91,54 km und 1921 Höhenmeter

Von Canazei (1465) geht es leicht bergab über Pozza bis nach Moena (1184) <16,83>. Dort beginnen bereits 12%ige Kehren, wobei es zwischendurch geringfügig "flacher" wird, bis wir uns wieder auf 14 % einpendeln und schließlich am Passo di Pellegrino (1919) <28,59> ankommen.  Dort staunen wir über die 19 %, die es bergab geht. Diese halten aber nur ca. 800 m an, dann geht es auf 14 % über.

Wir fahren bergab über schnelle, enge, aber schöne Kehren bis vor Falcade (1297) <35,16>, wo es wieder zu steigen beginnt. 12% sind doch schön, oder?  Wir erfreuen uns der schönen Kehren und sind froh, als wir am Passo di Valles (2032) <42,48> ankommen.

Bergab gehts über Panneveggio (1515) <46>, Bellamonte (1373) <56,72> bis nach Predazzo (1014) <64,76>, wo wir eine Mittagspause einlegen.  Nach einer kurzen Stadtdurchquerung finden wir ein gutes Lokal und Mahlzeit. Von Predazzo bis Canazei haben wir noch eine 27 km lange Strecke vor uns, die ununterbrochen auf eine Höhe von 1465 ansteigt. Wir fahren durch Moena (1184) <73,21>, San Giovanni - Mazzin bis nach Canazei (1465) <91,54>.

Nach der körperlichen Pflege gibt´s wieder das Übliche - Spaziergang durch die Stadt und ein oder ? Gläschen Wein. Gute Nacht.


04.06.1996, Dienstag.
4. Etappe:105,02 km und 2092 Höhenmeter

Wieder einmal starten wir von Canazei (1465) - nah von wo sonst - und fahren über Mazzin - Pozza di Fassa (1290) bis nach San Giovanni <11,34>, wo bereits wieder eine 8%ige Steigung auf den Passo di Costalunga (Karerpass) (1758) <22,31> beginnt. Die letzten 4 km bis zur Passhöhe gehen fast flach dahin. Bis dorthin fährt Gerhard vorne mit der großen Scheibe, auch so geht es, aber halt nur bei Wahnsinnigen ......

Von oben geht es hinunter zum Karersee (1530) <25,36>, Fototermin und Bierpause - der See hat eine sehr schöne hellgrüne Farbe -, weiter bergab über mehrere Kehren durch einen Wald nach Welschnofen und durch einen stockfinsteren, ca. 500 m langen Tunnel, bis nach Birchabruck (872) <36,09>, wo wir am tiefsten Punkt dieser Etappe ankommen.

Da wir jetzt eine lange Abfahrt hinter uns haben, freuen wir uns schon wieder auf die nächste Steigung. Gemütlich geht es leicht ansteigend bis nach Wiesersäge und von dort nur noch bergauf. Teilweise mit 15% und immer wieder lange gerade Straßenstücke, auf denen kein Luftzug weht. Die Luft steht - der Asphalt kocht und wir schwitzen. Trotzdem kommen wir alle fast gleichzeitig oben am Lavaze Joch (1808) bei <48,31> an.

Von nun an ging es bergab über Stvara bis nach Tesero (922) <59,37>. Da wir noch Zeit hatten, fahren wir einen Abstecher nach Calvalese (906) <64,22>. Bis dorthin geht es immer wieder auf und ab und das volles Tempo. In Calvalese selbst nehmen wir unser Mittagessen ein. Gerhard und Fredl essen wie fast immer ein gutes Stück Fleisch. Michael probiert einmal etwas anderes und bestellt "Carpaccio con funghi per cini". Wir rätseln noch heute, ...... Es schmeckte, aber wonach?

Weiter geht es zurück nach Tesero <69,09>, weiter über Ziano <73,14> - Predazzo (1084) <78,64> bis nach Moena (1184) <88,02>. Dort setzen wir uns von der Tempopolzerei geschlaucht in ein Straßencafe und genehmigen uns einen Eisbecher. Über Pozza - Mazzin kommen wir wieder nach 105,02 km wieder in Canazei (1465) an.

Kurze Verschnaufpause und weil Gerhard und Fredl eigentlich ganz schön durstig sind, fahren sie einfach aus mir unerklärlichen Gründen auf ein Bier hinauf auf den Passo Pordoi. Es sind ja nur 22,22 zusätzliche km und 874 Höhenmeter - jeder wie er will.

Und wie immer - Stadtspaziergang - ? Gläschen Wein. Gute Nacht.


05.06.1996, Mittwoch.
5. Etappe: 107,23 km und 3186 Höhenmeter

Start von Canazei (1465) über Penia hinauf auf den Passo di Fedaia <14,18> und hinunter nach Malga Ciapela <20>. Danach durch Rocca Pretora (1142) <26,57> bis nach Caprile (1023) <28,42> wo es wieder zu steigen beginnt. Bis auf den Passo di Giau haben wir noch 16 km vor uns.

Es geht über Selva (1335) <33,47> wieder einmal über wunderschöne Kehren unaufhaltsam nach oben. Eine Kehre nach der anderen und wie schon so oft schleichen sich Fredl und Gerhard davon - zurück bleibt - Michael. Man glaubt sich schon oben, da geht es nach der nächsten Kehre nochmals weiter, aber immer wieder schön.

Am Passo di Giau (2236) <44,61> angekommen, sind wir alle von der Aussicht begeistert. Nach dem Essen geht es schon wieder bergab auf schönen Kehren, vorbei an schroffen Felshängen und durch einen Wald. Am Pass war es noch kühl und kurz vor Pocol (1493) <55,02> müssen wir unsere Windjacken aufgrund der Hitze ausziehen. Bei der Auffahrt zum Falzarego entblößen Fredl und Gerhard sogar ihren makellosen Oberkörper um einige Sonnenstrahlen einzufangen. Ein paar Meter vor dem Passo di Falzarego (2117) <65,41> fängt es leicht zu regnen an. Wir schaffen es gerade noch in den Souvenirladen.

Das Wetter bessert sich und wir fahren vorsichtig die 8 km lange Abfahrt bis nach Andraz <73>, über Pieve <79,04> bis nach Arabba <86,36>. Vor uns der regenverhangene Passo di Pordoi, über den wir noch müssen. In Arabba beginnt es bereits zu nieseln und wir warten die Lage bei einem Bier ab.

Es wird nicht besser, sondern schlechter. Innerhalb von einer Stunde Regen kühlt es von +25° auf 6° ab. Nach 2 Stunden hört es auf und wir nehmen den Anstieg in Angriff. Anstrengende 33 Kehren hinauf auf den Passo di Pordoi (2239) <95,48>.

Dann beginnt die eiskalte Abfahrt bis zu unserem Haus in Canazei (1465) <107,23>.

Unten angekommen spüren wir unsere Füße vor lauter Kälte fast nicht mehr. Es wird fast alles Essbare aufgegessen und ausgetrunken. Aber nichts desto trotz - wie immer - Spaziergang durch die Stadt und ein Gläschen Wein.<


06.06.1996, Donnerstag.
6. Etappe: 103,72 km und 2343 Höhenmeter

Der Tag beginnt mit dem Frühstück und bei Fredl mit einem Spezialkaffee. Was braucht man dazu? Auf alle Fälle 6 Portionen Zucker, wegen der Kraft, meint er.

Dann geht es wieder einmal von Canazei (1465) über Mazzin - Pozza di Fassa (1290) und San Giovanni <11,16> auf den Passo Castalunga (Karerpass) (1758) <21,37>. Einige km nach dem Pass geht es immer leicht bergab und bergauf bis auf (1602) Hm hinunter und wieder hinauf zum Passo di Niger (1690) <29,32>. Es geht durch Tiers <39,5> bis es bei km 47,10 eine Abzweigung gibt. Dort fahren wir auf einer kleinen Straße durch ein Uraltdorf namens Prösels.

Puh - 28% Steigung!!!




Nach dem Ortsende staunen wir nicht schlecht, als wir plötzlich vor einer Verkehrstafel mit der Aufschrift 28 % Steigung stehen. Aber auch dieses Hindernis wird von uns bewältigt, wobei es Fredl dabei sogar die Schuhe auszieht.




Weiter geht es bergab und bergauf durch Fie (Völs) (304) <58,64> - Siusi (998) <59,46> wieder einmal bergauf auf 1203 Hm <61,77> um dann wieder hinunter nach Castelrotto (1060) <63,58> zu fahren. Von dort auf den Panider Sattel (1442) <69,29>, hinunter nach Ortisei (St. Ulrich) - (1240) <75,24> durch San Christina (1427) <79,01> und Wolkenstein (1563) <83,76>. Dort genehmigen wir uns noch schnell ein Bier, um dann mit der letzten Steigung über Miramonti (1900) <86,23>

am Passo di Sella





auf das Sella Joch (2244) <92,82> zu gelangen.

Von nun an geht´s nur noch bergab, bis wir wieder bei unserem Haus in Canazei (1465) nach <103,72> angelangen.

Wie immer wird wieder ausreichend gejausnet und erfrischt, sowohl innerlich als auch äußerlich. Nach dem üblichen Stadtspaziergang machen wir es uns in unserem Haus gemütlich, trinken noch ein ? Bier und freuen uns schon auf den morgen ankommenden GIRO di ITALIA.


07.06.1996, Freitag.
7. Etappe: km, Hm.

Diese Etappe entfällt leider, da fast sämtliche Straßen in unserem Bereich seit dem Vorabend aufgrund des Giro di Italia für den Verkehr gesperrt sind. Zuvor stellen sich schon unzählige Campingbusse und Autos entlang der Steigung des Pordoi auf.

Wir beschließen, mit dem Rad auf den 2239 m hohen Passo di Pordoi zu fahren und von dort aus die Etappe des Giro´s zu genießen.  Ca. 1500 m vor dem Zielstrich entdecken wir einen tollen Standplatz an einer Doppelkehre und machen es uns dort gemütlich. Wir sehen schließlich eine tolle Auffahrt des ganzen Tross und warten dann wieder ca. 1 ¾ Stunden, bis der Führende abermals bei uns vorbeikommt. Wir sehen einen kämpfenden ZAINA, welcher die Etappe auch überlegen gewinnt.

Für uns war das Ganze ein tolles Erlebnis. Super Zuschauer und Atmosphäre. Mit diesen Bildern fahren wir ins Tal, essen noch unsere letzten Reste auf und begeben uns auf die Heimfahrt. Es geht über den Passo di Fedaia, Passo di Falzarego nach Cortina d´Ampezzo. Von dort vorbei an den "Drei Zinnen" wieder nach Österreich. Wir kommen schließlich müde und erschöpft an, aber schön war es doch.

Michael