Italien Fahne Umbrien 1997

Umbrientour 1997


Wieder einmal starten wir zu einer Italienradwoche. So wie im Vorjahr gelingt es uns aber nicht, die Zahl der Teilnehmer zu erhöhen.

Diesmal nahmen wir uns nicht ein fixes Quartier, sondern entschlossen uns, ein Wohnmobil zu mieten. Das Wohnmobil war für 4 Personen geeignet und so hatten wir "unser drei" keine Probleme mit dem Platz.

Vor der Abfahrt wurde noch ausgiebig Jause angeschafft. Unsere Räder waren verstaut und so konnte unsere Reise eigentlich beginnen.

Wer war eigentlich heuer bei unserer Radtour dabei. Das können wir uns sparen, denn es waren in den letzten Jahren sowieso immer nur der Gerhard, der Fredi und der Michael dabei.

Abfahrt: Die erfolgte am 10.05.1997, um 18.29 Uhr, wobei sich Gerhard und Michael beim Fahren abwechseln und Fredi die Kontrolle über uns hat. Gleich nach der Abfahrt beginnt Fredi seine Dinge zu verstauen und weil er schon durstig ist, öffnet er eine Williams Birne. Währenddessen fährt Gerhard so dieselsparend, dass die Tankuhr scheinbar nach oben geht.

Um 01.05 Uhr kurz vor Bologna, fahren wir auf einen Autobahnparkplatz und legen uns aufs Ohr. Für einen Autobahnparkplatz ist es gar nicht so laut und wir können in Ruhe schlafen.

Um 07.00 Uhr ist Tagwache und wir machen uns Kaffee und stärken uns bei einem steirischen Frühstück. Danach geht die Fahrt weiter über Florenz bis nach Arezzo, wo wir auf einem Parkplatz direkt vor der Chiesa San Marco einen tollen Platz finden. Hier nehmen wir unser zweites Frühstück ein.



1. Etappe: Samstag, 10.05.1997; 116,5 km

Die Abfahrt erfolgt direkt vor der Chiesa San Marco in Arezzo (273). Nach ca. 600 m beginnt es gleich zu steigen. Michael geht es überraschend gut und hält er die Spitze gefolgt von Fredi. Gerhard ist offensichtlich übertrainiert und fällt zurück. Er kann unser Tempo nicht halten und verliert bei jeder Kurbelumdrehung einige Meter auf uns.

Bei <8,11> kommen wir am Alpe di Poti (677) an und warten verzweifelt auf unseren Gerhard, aber --- "er kum´t net ... - er kum´t net". Als er einige Minuten später bei uns ankommt, steigt er vom Fahrrad und flucht. Die letzten Meter bis zu uns möchte er sein Rad schieben, geht aber nicht. Erst jetzt bemerkt er, dass sich sein Hinterrad nicht dreht. Beim Zusammenbau seines Rades hat er das Hinterrad schief eingebaut, wodurch dieses geschliffen hat. Nachdem der Schaden behoben, geht es gleich viel leichter und er kann das Tempo von Fredi und Michael locker mithalten und es wird Tempo geboltzt. Mittlere Geschwindigkeit 45 km/h. Immer Vollgas.

Es geht durch Palazzo d. Pero (405) <11,84> über die Straße Nr. 73 nach Le Vile <26,9> - Monterchi (356) <27,21>, bis nach Citta´ di Castello (289) <44,4>. Diesen Ort kennen wir schon von der Toscana-Tour 95, es war unser Ausgangspunkt über den Apeninne. Wir fahren aber weiter auf der Straße Nr. 3 durch San Secondo, Falbrecce <49,28> bis wir bei <50,2> rechts Richtung Calzolano abbiegen. Nach San Vincenzo (290) <53,78> beginnt es zu steigen und die "Hackordnung" auf den Bergen ist wieder in der richtigen Reihenfolge: Gerhard, Fredi und, wo bleibt er denn, Michael.

Weiter geht's durch l´Olmo (501) über den Valle Dame (690) <73,8> und den Passo. d. Cerventosa (742) bis auf den Pertole (850) wo wir nach <78,17> oben ankommen. Für die schöne Aussicht haben wir aber keine Zeit und weiter geht's hinunter nach Cortona (494) <85,35>. Dort biegen wir nach rechts ab und kommen nach 2 km auf die Straße Nr. 71. Vorbei am Castel di Montechia <94,47>, über Castiglion Fiorentino <103,4> kommen wir schließlich wieder nach Arezzo (273) und finden unseren Camper nach <116,5> unbeschadet an seinem Standort vor der Chiesa San Marco.


Fredl am Boden





Am Ende unserer Kräfte verschlingen wir sogleich ein Bier und strecken alle viere von uns.









Am Abend fahren wir mit dem Camper die ca. 100 km lange Strecke von Arezzo über Citta´ di Castello, Umbertide bis nach Gubbio, wo wir uns am Campingplatz IC 15, am Camping Citta´ di Gubbio einen schönen Platz aussuchen können.

Nach dem Frühstück wird der Camper in der Stadt geparkt und es beginnt die



2. Etappe: Sonntag, 11.05.1997, 124,66 km

Start ist in Gubbio (442) auf der Straße 219 und es geht gleich einmal bergauf über Madonna della Cima (777) bis nach Valico (780) <7,84>. Von dort hinunter nach Troppola und dann Scheggia (580)<11,97> . Einfach ein tolle Strecke, immer leicht bergauf und dann gleich wieder bergab, wobei wir die Orte Aiale - Fiume (562) - Pontericciolo (403) - Cantiano (360) <23,6> - Pontedazzo (352) hinter uns lassen.

Nach <34,9> kommen wir in Cagli (276) an und machen einen kurzen Abstecher in die wunderschöne "citta´ vecchia" - (alte Stadt). Nach der Stadtdurchquerung packen wir eine kurze Steigung bis San Scancino (415) und von dort geht´s auf der Straße 424 hinunter nach Pergola (265) <53,98> über Solfore Belliso bis nach Morello (471), wo wir ein uns Bier und Schinkenbrötchen gönnen. Nach dieser kurzen Pause nehmen wir den Kampf mit dem Rad wieder auf, fahren durch Star. di Monterosso (385) <65,90>, Sasso Ferrato (386) - hinauf auf (436) <81,22> hinunter nach Fabriano (325) <89,31> über die Straße 76 durch Cacelli (408), Fossato di Vico (584) <101,19>, Branca (371) <113,43> und Torre Calziolari. In Castel d´Alfiolo (443) <119,43> beginnen wir mit dem Zielsprint.

Dabei überlisten Gerhard und Michael den Fredi und liegen innerhalb kürzester Zeit einige hundert Meter vor ihm. Fredi lässt sich dies nicht gefallen und tritt anständig in die Pedale. Dabei treibt er seinen Puls auf "209" (Wahnsinn) und kommt uns wieder ganz nahe. Wir hobeln durch San Marco bis nach Gubbio (442) wo wir nach <124,66> ankommen.

Geschafft!!! Es war eine schöne Etappe.

Dort genießen wir die Dusche im Camper und als wir sauber sind gehen wir ins Zentrum von Gubbio. Es ist eine sehr schöne alte Stadt. Nach dem Stadtrundgang fahren wir mit dem Camper von Gubbio 50 km bis nach Assisi. Dort fahren wir in den Ort hinauf, haben eine schöne Aussicht auf die umliegenden Orte und machen einen Spaziergang durch das Zentrum. Am Hauptplatz genießen wir ein Gläschen Rotwein.

Danach gelangen wir durch die engen Wege und Gassen zur Basilika von Assisi. An der Basilika vorbei kommen wir wieder zum Parkplatz und fahren hinunter vor die Tore von Assisi, wo wir uns auf einem großen Parkplatz direkt neben dem "Fiume Tescio" (Fluss) aufstellen. Es gibt selbstgestricktes Essen und dann ab in die Federn.



3. Etappe: Montag, 12.05.1997; 127,21 km Tagwache um 07.00 Uhr - Frühstückzeit. Abfahrt um 08.30 Uhr vom Parkplatz (255).



Wir erklettern den ersten Berg und kommen schon leicht erschöpft in Assisi (508) <4,25> an.

Assisi

Weiter geht's auf der Straße 444 bis Piano d. Pieve (386) <6,2>, jetzt beginnt es erstmals so richtig zu steigen. Wir fahren durch S. Presto (824) und glauben uns bei km <15,99> endlich ganz oben, fahren um eine Kurve und welche Freude, es beginnt schon wieder zu steigen, bis wir schließlich wirklich bei <19,32> und (1069) oben ankommen.

Nach der ersten Kreuzung biegen wir nach rechts ab und glauben uns schon am Ende der Welt: Mitten auf der Abfahrt hört der Asphalt plötzlich auf und wir befinden uns auf einer wilden Schotterstraße. Wir wollen schon umdrehen, als nach ca. 1 km wieder der Asphalt beginnt. Wir fahren durch Montecchio - unter der Eisenbahn durch, weiter auf der Straße Nr. 3 (483) <31,03> durch Nocera (520) <38,12> wo am Ortsende bei (445) <40,26> eine kleine, steile Straße nach oben führt. Kurz bergab nach Stravignano <44,47> und schon geht´s wieder mächtig steil nach oben, durch Bogni di Nocera, Sarfia <47,17> bis Colle Croce (997) <52,73> bergab nach Annifo <54,38> und Colfiorito (760) <61,06> bis es hinauf nach Valico (826) <64,94> zu steigen beginnt. Hinunter auf der kurvenreichen Straße durch Rif (788) - Leggiano - Colle S. Lorenzo (451) <81,06> bis wir bei <86,27> in Foligno (192) ankommen. Weil wir von den Steigungen aber noch nicht genug haben, biegen wir unmittelbar vor Spello <96,48> wieder in Richtung der Berge ab.


Bergziegen





Nach ca. 8 km harter Steigung kommen wir in Collepino (600) <104,45> an.




In dem kleinen Ort - hier können keine Autos fahren, aber wir mit unseren Rädern schon - finden wir eine kleine Bar. Wir bestellen uns einen Liter Vino bianco und ein acqua minerale. Beim Zahlen sind wir ganz erstaunt, dass wir für dieses ausgezeichnete "Tröpferl" und das Mineral nur S 38.- bezahlen. Wir fahren gleich wieder bergauf bis auf (885) bei <111,46>, weiter nach Armenzano (759) <112,87> und dann in rasender Fahrt hinunter nach Assisi (508) <122,37>. - Schöner Anblick - Wir fahren mit dem Rad ins Centro, machen eine Fotosassion. Die letzten km bis zum Camper (255) <127,21> fahren wir ganz gemütlich.

Dort angekommen stürzen sich Fredi und Michael in die kalten Fluten des Flusses und schauen nach oben,

Brücke unter Asissi

wo der Hl. Assisi über uns wacht. Es ist sehr kalt aber auch erfrischend. Gerhard zieht die warme Dusche im Camper vor. Danach kochen wir uns ein gutes Ham & Eggs mit steirischem Speck, Käse, Geselchtem, reichlich Pfeffer, Knoblauch und Peperoncini. Es schmeckte uns ausgezeichnet, ist das ein Wunder bei diesen Köchen? So nebenbei gibt's aber auch noch ein oder ? Bier.

Nach getaner Arbeit müssen wir uns leider von Assisi verabschieden und fahren über Foligno 81 km bis nach Visso. Dort finden wir gleich einen wilden Parkplatz, wo schon ein italienischer Camper steht. Nach einer genaueren Besichtigung des Ortes wechseln wir zu einem stadtparkähnlichen Platz, wo es uns noch besser gefällt. Auf der einen Seite ein kleiner Bach, auf der anderen Seite ein Teich. Wir begeben uns zur Nachruhe.



4. Etappe: Dienstag, 13.05.1997; 96,97 km; 2530 Hm


Nach dem Frühstück starten wir in Visso (607) fahren weiter nach Sasso <5,43> wo es bereits unaufhörlich zu steigen beginnt, es geht über Serbo (833) <6,63> bis wir oben in Froticensano (1342) <12,59> ankommen. Jetzt haben wir bereits 735 Höhenmeter hinter uns und sind schon geschafft. Von nun an geht´s bergab über Norcia bis Castelantangelo (725) <18,99> und weils so schön ist geht es gleich wieder bergauf nach Passso di Gualdo (1496) <29,12>.

Die nicht einmal 30 km haben sich ganz schön gezogen, wir dachten schon, dass wir überhaupt nicht mehr oben ankommen. Nachdem es kurz auf (1328) <30,48> hinunterging, durften wir gleich wieder nach oben streben, bis nach Castelluccio (1452) <33,94>. Dort hinauf kann Michael das Tempo von Gerhard und Fredi nicht halten und fährt wieder einmal sein eigenes Tempo, kommt aber auch oben an.

Inzwischen liegt Fredi erschöpft in der Wiese und schimpft über die Streckenführung, ist aber kurze Zeit später beeindruckt von der Hochebene nach Castelluccio und nimmt alles zurück. Wir glauben uns fast irgendwo hoch oben in Peru. Wunderschön.

Wir essen in einer kleinen Bar (Agnelo con potate arrosto e insalata, Vino e Birra) und fahren schließlich vollgegessen hinunter auf (1202) bis wir bei <35,21> die Hochebene durchqueren - ringsherum erstrecken sich Gebirge - bis es schließlich wieder zu steigen beginnt. Bei <43,36> oben (1548) angekommen freuen wir uns schon wieder aufs Bergabfahren. Es geht über Fca di S. Croce (813) <56,12> - S. Scolastica (650) <60,31> bis nach Norcia (604) <63,01> dann nach rechts, wo es sehr steil bergauf bis nach Forca d. Ancarano (1008) <69,59>geht. Von nun an gings bergab, nach S. Angelo - Pe´ d. Colle - Campi (717) <75> - Piedivalle <79> - Preci (456) <81,6> bis nach Pontechiusita (426) <85,9>. Die letzten 11 km geht es leicht steigend nach Hause zu unserem Camper in Visso (607) <96,97>.

Bei Fredi konnte man immer feststellen, wann er besonders durstig war. Nach der Körperreinigung geht Fredi in den Ort, Gerhard und Michael fahren mit dem Camper hinterher. Es wird Wein, Mineral und Obst eingekauft. Nachdem wir wieder bei unserem Standplatz eingelangt sind, kochen wir uns ein gutes Abendessen und leeren den Wein.

Gute Nacht.



5. Etappe: Mittwoch, 14.05.1997; 124,23 km.


Von Visso (607) aus geht´s immer leicht bergab, über Pontechiusita (456) <11,23> bis nach Triponzo (420) <20,07>. Unmittelbar nach dem Ort fahren wir durch einen kurzen Tunnel und wissen danach nicht auf welcher der beiden Straßen wir nun weiterfahren sollen. Wir nehmen die nicht so stark befahrene, auch deshalb, weils dort so richtig toll bergauf geht.

Als wir oben in Erreto di Speletto (568) <22,31> ankommen, bemerken wir, dass das kleine Bergdorf einen schönen mit Steinen gepflasterten Hauptplatz hat. Das wars dann aber schon. Nicht einmal eine richtige Straße geht von dort weiter und so drehen wir um und fahren die 2 km zurück hinunter. Dort fahren wir dann auf der richtigen immer gerade - durch Borgo Cerreto - Piedipaterno, bis wir nach links in die Berge einsteigen und gleich eine Doppel-S-Kurve durch Castel S. Felice km <35,9> hinter uns bringen.

Weiter fahren wir durch San Anatolia di Narzo (285) <39,62>. Und von nun an geht´s erst mal richtig schön und !!! sehr steil, 15 - 18% !!! nach oben, über Caso und Cavelli (1153) <52,74>, wo wir ein deutsches Pärchen treffen und uns während einer Trinkpause kurz mit ihnen unterhalten. Und schon geht´s weiter nach oben bis wir endlich am Passo Cavelli (1211) bei km <53,9> ankommen. Zum Verschnaufen haben wir keine Zeit, denn es geht weiter und weiter - durch Monteleone (978) <64,17> - hinunter auf (892), links vorbei am (1132) hohen Monte Arile und gleich wieder steil (bis zu 18 %) bergauf auf den Forca Rua la Cama (938) <69,1> und hinunter nach Cascia (698) <81,31>.

Dort fahren wir in das Centro und finden am Ende des Platzes ein kleines Lokal, welches nur von Einheimischen frequentiert wird. Wir essen als Vorspeise Spaghetti, danach Kalbsschnitzerl natur in Zitronensauce und dazu einen guten Vino bianco.

Kaum noch beweglich setzen wir uns wieder auf unsere Räder und fahren auf der Straße 320 über Serravalle (513) <93,18>, leicht steigend, dann durch einen kurzen Tunnel, wo uns die Autos ohrenbetäubend überholen, vorbei an Biselli und gleich wieder durch einen 400m langen Tunnel, den wir bei leicht fallender Straße mit vollem Tempo hinter uns bringen. Wir gelangen wieder nach Triponzo (420) <104,86>. Vor dem Ort beginnt es zu nieseln und bevor wir uns versehen, hat uns der Regen voll erwischt. Wir müssen uns für 10 Minuten unterstellen und es wird uns kalt und immer kälter. Wir fahren bei Nieselregen weiter und gleich nach dem Ort sind die Straßen schon fast wieder trocken. Von Triponzo aus geht es immer leicht steigend und für unsere schweren Beine recht mühsam durch Beforte - Pontechiusita (456) <106,7> - Cervara, bis wir die Ortstafel von unserem Ausgangsort Visso (607) nach anstrengenden <124,23> erblicken.

Tolle Strecke. Nach einem ersten Bier packen wir unsere Räder auf den Camper und fahren ca. 3 km den Fluß "Nera" entlang, bis wir auf eine einsamere Stelle treffen, dort Aufstellung nehmen, und eine gründliche Leibwaschung vornehmen.

Körperwaschung








Wie man sieht, schauen wir auf unsere "makellosen" Körper. Und trotz dieses Körpers sind wir "nur" Radfahrer und keine Dressmen.













Nach dieser "Waschung" genehmigen wir uns noch eine gute Jause, die von uns neben dem Fluss im Camper eingenommen wird. Danach fahren wir ca. 69 km von Visso nach Terni.

Terni ist etwas größer als Graz und so können wir ohne Probleme einige Zeit mit der Suche nach einem Einkaufsmarkt verbringen. Dort karren wir so richtig viel Lebensmittel an und suchen uns einen neuen Standort für die Nacht. Am Stadtrand, mitten zwischen Olivenbäumen finden wir, was wir suchen - einen schönen, ruhigen Platz. Wir grillen bis in die späte Nacht hinein, und dazu gibt es sehr guten Rotwein, der uns schließlich mit müden Gliedern in die Betten sinken lässt.

Gute Nacht.



6. Etappe: Donnerstag, 15.05.1997; 127,71 km

Nach einem guten Frühstück schmeißen wir uns in unsere Radlerdressen und nehmen den Kampf mit den Bergen auf. Heute steht die Königsetappe auf dem Programm.

Ein paar Meter nach unserem Standort in Terni (172) beginnt es gleich zu steigen. Wir kämpfen uns die ersten Kehren gemeinsam mit den Sattelschleppern hinauf. Es geht durch Papigno - Marmore (363) <7,2> bis wir kurz vor Piediluco den Lago  Piediluco (See) erblicken. Er leistet uns auf den nächsten 7 km Gesellschaft. Wir fahren durch eine schöne Gegend, die uns immer auf und ab jagt. Es geht durch Mad. d. Luce (379) <14,65> - La Spera (418), wo wir bei km <21,6> nach links abbiegen. Da es dort zwei Möglichkeiten für die Weiterfahrt gibt, nehmen wir "natürlich" die falsche Straße und quälen uns einige Serpentinen und zusätzliche 3 km durch die alte, teilweise fast verfallene Stadt Rivodutri, bis wir endlich wieder auf die richtige Straße Nr. 521 kommen.

Das war aber erst der Anfang von unseren Qualen, denn von km <29,97> geht es nur mehr bergauf. Es geht durch Cant. (1039) bis nach La Forca (1115) <43,27> hinauf. Auf der neuen Straße kommen wir hinunter nach Leonessa (969) <46,4>, fahren durch den Ort; das ist der vorerst letzte Streckenabschnitt, der eben verläuft. Am Ortsende, wo eine Fahrverbotstafel steht, beginnt es so richtig schön zu steigen an. Dieses Verkehrszeichen stört uns nicht weiter, da ich schon vorher gehört habe, dass einspurige Fahrzeuge - somit auch wir - keine Probleme bei der Überquerung des Passes hätten.

Bei der Brücke Ponte Diecimetri (1000) füllen wir unsere Trinkflaschen und werden von zwei italienischen Radfahrern überholt. Das kann sich Gerhard natürlich nicht gefallen lassen und zieht nach. Den ersten hat er gleich und der zweite lässt auch nicht lang auf sich warten; der ist aber vorerst noch hartnäckig und heftet sich bei Gerhard an dessen Hinterrad - was ihm nur kurz gelingt - und Gerhard zieht unaufhaltsam diese 931 Höhenmeter bzw. 16 km hinauf.

Inzwischen waren wir, Fredi und Michael auch nicht untätig und haben mit unserem Tempo auch einen der Italiener eingeholt und hinter uns gelassen. Eine Kehre nach der anderen wird bewältigt und wir können weit oben bereits die ersten Schneeverwehungen erkennen. Vor uns ist plötzlich die Straße mit einem Band abgesperrt. Wir können aber unterhalb durchfahren und so kommen wir über die letzten schönen Serpentinen in die ersten Schneefelder, wo uns Gerhard hinter einer Kurve erwartet.

Monte Termenillo




Er macht ein Foto von uns und gemeinsam nehmen wir die beiden letzten Kilometer in Angriff, wobei wir teilweise links und rechts außer Schneewächten nichts sehen.







Die Schneehöhe beträgt hier locker 3 m und nun wissen wir auch, warum die Straße für mehrspurige Fahrzeuge gesperrt ist, denn die Fahrbahnbreite beträgt zwischendurch max. 1,5 m.

Durch die Anstrengung spüren wir die herrschende Kälte überhaupt nicht und kommen schließlich auf einer Seehöhe von (1901) in S. di Leovesna bei km <62,67> am höchsten Punkt unserer Tour an. Zu unserem Erstaunen stellen wir fest, dass es auf der anderen Bergseite fast keinen Schnee gibt. Nach einem Fototermin geht es hinunter zu einem Plateau (1820) und dann weiter bis zum bekannten Wintersportort Terminillo (1614) <66,21>.

Dort gibt es noch einen 3 km langen Rundkurs um den Gipfel, welchen wir uns nicht entgehen lassen. Der Beginn der jetzt folgenden Abfahrt ist !!!sehr steil !!! Nach ca. 5 km sehen wir ein Ristorante, wo es aber leider kein warmes Essen gibt, dafür aber sehr gute Prosciuttobrötchen und ein Bier. So gestärkt, fahren wir leichter weiter, wobei wir Vazia <81,56> und Castelfranco hinter uns lassen. Wir fahren volles Tempo bis Rieti (389) <87,32>, wo es wieder leicht zu steigen beginnt. Nach San Nicola kommen wir bei La Spera (418) <97,21> wieder auf unsere bereits bekannte Strecke zurück.

Durch Mad. d. Luce (379) <112,8>, vorbei am Lago (See) Piediluco, durch Marmore (363) <124,18> und hinunter nach Terni (172) wo wir bei km <127,71> wieder bei unserem Camper erschöpft und müde, aber noch immer beeindruckt von der schönen Etappe, ankommen. Trotz der extremen Tour konnten wir einen Schnitt von 22,40 und eine Fahrzeit 5,40 Std. erreichen.

Nach einem gekühlten Bier duschen wir uns im Camper und nehmen die 120 km lange Camperfahrt von Terni über die Autobahn, vorbei an Orivieto und Chiusi - bis nach Chianciamo in Angriff.

Wir finden vor - der wegen ihrer Therme bekannten Stadt - einen tollen Parkplatz. Nach einer kurzen Stadtdurchquerung mit dem Rad und einem Telefonat in die Heimat, beginnen wir bei einbrechender Dunkelheit mit einem gemütlichen Grillabend.

Grillabend